NUR DIE LIEBENDEN SIND KONSEQUENT
                                                                                                                                Peter Paul Zahl
Poesie ist das ständige, NEIN! Gegnüber dem Gegebenen, der – gemachten – welt, wie sie halt iste.
Eines Tages, jedoch, genügt diese form des NEIN! Nicht mehr:  Unterdrückung, Beleidigung, Schmerz, Leid, Erniedrigung sind zu groß gerworden.  Wie verhält sich dann der Dichter?  Er kann schweigen: aus Protest – oder aus Anpassung.  Er kann lügen, kann Zyniker werden, Petrarca der Herrschenden.  Kann ins Exil gehen.  Kann Selbstmord machen.

Oder er kann zu dene gehen, die ihr organisiertes NEIN! Auf den Begriff bringen, bewaffnen.  Diese haben dann über seine Waffe zu entscheiden, können sagen: Schreib weiter, wir brauchens!, können aber auch sagen: Willkommen, Bruder; ihn ausbilden in ihren künsten:

Schießen, Bombenbauen, Offensiven planen, Defensiven vermitteln....
31- jährig fiel Otto René Castillo, Dichter, angehöriger der Guerrilla-Organisation FAR, nach einem Gefecht mit Spezialeinheiten der guatemaltekischen Armee seinen Feinden, die die Feinde Guatemalas, der Welt sind, in die Hände:  er war verwundet.  Er wurde brutal gefoltert.  Verstümmelt.  Bei lebendigem Leibe verbrannt.
Die so handeln, wissen, warum  sie so handeln.  Ihr ungeheurer haß gilt der Liebe, dem Leben, der Poesie.  Das mittelalterliche Ritualder blutigsten Zerstörung des Gegners gilt:  der Zukunfit.

Hierzulande ist es modisch gesworden, die Kongruenz von Leiben und Werk als typisch deutsch abzuqualifizieren; die müdegewordenen Mittelstandskaninchen aus der Antiautoritären Sozialrevolte der `60er Jahre,die nicht einmal richtig angetreten waren, die nicht einmal richtig gekämpft hatten,lechken ihre Wunden, pflegen linksbürgerliche Melancholie, flüchten in Zynismus; der dichterfürst Goethe, typisches Denkmal für Mangel an Kongruenz von Leben und Werk (die er an Byron so berwunderte), und ein falschverstandener, in verlognes deutsch übersetzter französischer Strukturalismus feiern in der BRD und in Westberlin fröhliche (nein: traurige) Urständ.  Während Sich in seltsamen Koalitionen, zum Tiel über Klassengrenzen hinwég, Widerstand im Land formiert:  Startbahnen, AKW’s NATO, Knast, Terror hier, Terror in der“3.“genannten Welt...,“fressen“ die“Geier des schwigens“ die“Eingerweide“ vieler “unpolitischer Intellektueller“ (Castillo).  Wer konsequenterweise die Inkonsequenz pflegt, hier wie in Guatemala, geht konsequenterweise unter.
Geht unter“mit Gewimmer“ (T.S. Eliot)
Die“unpolitischen Intellektuellen“ (Castillo) lieben sich nicht, nicht ihren körper, nict den Nachbarn, nicht die Frauen oder Männer, die sie zu lieben vorgeben, nicht die Menschwerdung des Affen, nicht das Gras, nicht das Brot, nicht die Sonne, nicht den Wein, nicht das Land, nicht das“Schreien des Schmetterlings“ (Jim Morrison), nicht die Arbeiter, nicht die Schwalben.  Weil sie sich nicht lieben, nicht ihr“kleins Land“ (Castillo), suhlen sie sich in Inkonsequenz and mennen ihr Sich-Suhlen Konsequenz.
 
Die Liebende, aber, ist konsequent.  Er kann gar nicht anders. Wo seine stimme endet, beginnet die Sprache seines Körpers; wo die Waffe seiner Poesie endet, ergreift er jene Waffen, die ihm die umstände, d.h. das Zuviel an Unterdrückung, Ausbeutung, Beleidigung, Schmerz, Leid, Erniedrigung, diktieren; ergreift er dieselben, Waffen, die von , den einfachen Leuten/die nie Platz hatten/ in den Büchern and Liedern/der unpolitischen Intellektuellen“ (Castillo) ergriffen worden sind.  Weil sie dazu gezwungen worden sind.  In Guatemala, in El Salvador, Nicaragua, Cuba, Azanie, Zimbabwe, Grenada.  Und anderswo.

Otto René Castillo’s Gedichte sind nicht gut, weil sie,“gut gemeint“ sind, die,“richtige linie vertreten“, sie sind gut, weil ein revolutionäre Form gefunden hat, weil Form und Inhalt identisch sind, kongruent; eine Stimme tönt fort.  Ein“winziges Herz der Zukunft/dessen Schwingen schon morgen/sich zu öffnen beginen“  pocht in Castillo’s Lyrik.
Es muß uns wach halten.
Es hält uns wach.                                                        Knast Hakenfeld zu Berlin
                                                                                    November 1981

Allen, die in Wahrheit Kämpfen,
um das System der Unterdrückung
und des Elends in unserem schönen
land zu beseitigen.

 

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